Information-Superspreader in den sozialen Medien

Information-Superspreader in den sozialen Medien

In den sozialen Medien verbreiten sich Informationen rasend schnell. Zu den Phänomenen, die zu der blitzschnellen Verbreitung beitragen, gehören die sogenannten Superspreader. Dahinter verbergen sich Nutzer, deren Beiträge besonders viele andere Nutzer beeinflussen. Doch wie wird jemand zum Information-Superspreader? Welche Vor- und Nachteile hat es, dass Informationen im Netz so schnell weitergegeben werden? Und wie kann das Wissen über Nutzer mit großem Einfluss dabei helfen, Fake News vorzubeugen?

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Information-Superspreader in den sozialen Medien

Falschinformationen und Polarisierung

In den sozialen Medien geht es längst nicht mehr nur um Styling-Tipps, Bastelanleitungen, Reiseberichte oder witzige Videos. Vor allem politische Inhalte sind derzeit schwer angesagt. Dabei sind vor allem die Inhalte besonders erfolgreich, die sich auf einfache Aussagen beschränken.

Komplexe Botschaften ziehen auf den Plattformen selten. Denn dazu prasseln zu schnell zu viele Informationen auf die Nutzer ein. Moderne Technologien und die sozialen Medien haben die Art, wie sich Informationen und Aussagen in der Gesellschaft verbreiten, massiv verändert.

Die rasante Verbreitung von Informationen im Netz geht mit Gefahren für die Demokratie einher. Eines der bekanntesten Probleme an dieser Stelle sind Fake News.

Im Unterschied zu Tageszeitungen, Radiostationen und Nachrichtensendern gibt es in den sozialen Medien keine Kontrollinstanz, die Informationen vor einer Veröffentlichung auf inhaltliche Richtigkeit prüft. Deshalb können sich Falschinformationen in Sekundenschnelle verbreiten.

In der Folge können sie großen Schaden anrichten, weil sie Personen herabsetzen, Tatsachen verdrehen oder einfach frei erfunden sind.

Doch auch Informationen, die zwar inhaltlich stimmen, sich über die sozialen Medien aber unkontrolliert verbreiten, können Probleme nach sich ziehen. Denn oft werden Nutzern in den sozialen Medien nur die Inhalte angezeigt, die zu deren Meinung passen.

Abtreibungsgegner zum Beispiel sehen hauptsächlich Beiträge über die Rechte des ungeborenen Kindes, während Befürwortern der Abtreibung vor allem Beiträge präsentiert werden, die das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper in den Vordergrund stellen.

Die Problematik an dieser Stelle ist, dass sich auf diese Weise das eigene Weltbild verstärkt. Gleichzeitig verhärten sich die Positionen auf beiden Seiten. Das Ergebnis kann eine Polarisierung in der Gesellschaft sein.

Vorteile durch schnellen Informationsfluss

Dass sich Informationen rasend schnell verteilen, kann natürlich auch von Vorteil sein. Bei Umweltkatastrophen oder anderen Tragödien kann der schnelle Informationsfluss sogar Leben retten.

Während des Hochwassers im Ahrtal zum Beispiel, als die Flut die Bewohner unvorbereitet traf, konnten sich die Betroffenen über die sozialen Medien in Echtzeit über die aktuelle Lage informieren. So wussten sie, wo die Strömung momentan am stärksten war oder wo sie sich in Sicherheit bringen konnten.

Außerdem machen in den sozialen Medien oft Informationen die Runde, die zu mehr Gesundheit und Glück verhelfen können. Themen wie gesunde Ernährung oder Aufklärung über Krankheiten können vielen Betroffenen zugutekommen und Vorurteile abbauen.

Verschiedene Wissenschaftskanäle wiederum stärken das Vertrauen in die Forschung. Bei solchen wichtigen Themen gilt, dass es umso besser ist, je mehr Einfluss der Autor hat.

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Einflussreiche Accounts

Weil die sozialen Medien so großen Einfluss darauf haben, wie Nutzer ihre Meinung bilden und Entscheidungen treffen, versuchen Wissenschaftler, die Strukturen und Dynamiken der Abläufe bei der Informationsverbreitung zu ergründen.

Eine Kernfrage dabei ist, was die Personen oder Accounts ausmacht, die besonders einflussreich sind. Denn wenn bekannt wäre, wer diejenigen sind, die Informationslawinen lostreten, wäre es zum Beispiel möglich, gezielter gegen Fake News vorzugehen.

Bislang nahm die Forschung an, dass es in erster Linie eine hohe Anzahl an Followern ist, die dazu führt, dass einzelne Accounts besonders viel Einfluss haben.

Die Inhaber solcher Accounts werden als Knotenpunkt-Personen bezeichnet.

Die meisten Studien konzentrieren sich deshalb auch auf die gewichtige Rolle von stark vernetzten Knotenpunkt-Personen. Allerdings ist die Anzahl der Follower nur ein Aspekt.

Information-Superspreader und ihre Follower

Um nachzuvollziehen, wie sich Informationen in den sozialen Medien verbreiten, untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Fang Zhou von der Universität für Elektronik und Technologie im chinesischen Chengdu den Informationsfluss von Person zu Person.

Dabei stellten die Forscher die These auf, dass zwei Dinge für die Wahrscheinlichkeit maßgeblich sind, ob eine Botschaft in den sozialen Medien erfolgreich von einer Person zu einer anderen gelangt.

Der erste Faktor ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Informationsgeber überhaupt Beiträge verfasst und die Informationen weitergibt. Der zweite Faktor ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Follower den Informationen in den Beiträgen glauben und sich davon beeinflussen lassen.

Um ihre These zu testen, nutzten die Forscher Millionen Nutzerdaten aus zwei sozialen Netzwerken. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich Information-Superspreader eher am individuellen Verhalten als an der Zentralität im Netzwerk erkennen lassen.

Wie die Forscher vermutet hatten, wirken sich der Einfluss des Informationsgebers und die Beeinflussbarkeit seiner Follower auf die Wahrscheinlichkeit aus, dass sich eine Information verbreitet.

Informations-Superspreader brauchen also beeinflussbare Follower. Dabei sind die Nutzer besonders einflussreich, die Follower mit ebenfalls einflussreichen Accounts haben.

Mittel gegen Fake News

Wenn Politiker oder andere Entscheidungsträger eingreifen, um gegen die Verbreitung von Fake News vorzugehen, basiert der Eingriff auf der gängigen Theorie zu Information-Superspreadern, nach der Knotenpunkt-Personen mit vielen Followern die Meinung maßgeblich beeinflussen.

Aus diesem Grund wird regelmäßig gefordert, die Accounts einzelner Personen zu sperren.

Die Erkenntnisse aus der Forschung könnten aber dazu beitragen, wirksamer gegen Falschmeldungen vorzugehen und die Verbreitung von Fake News einzudämmen oder sogar zu stoppen.

Dazu ist es notwendig, die Verbindungen aufzuspüren, die einflussreiche und anfällige Nutzer miteinander verknüpfen. Im nächsten Schritt können Maßnahmen eingeleitet werden, die sich gezielt auf die Position und das Verhalten eines Nutzers im sozialen Netzwerk auswirken.

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