Schwer bestrafte Web-Vergehen

Einige Beispiele für schwer bestrafte Web-Vergehen 

Auch wenn es zweifelsohne eine ganze Reihe an rechtlichen Grauzonen gibt, so ist das Internet entgegen der Meinung vieler keinesfalls ein rechtsfreier Raum. Insbesondere in den USA drohen bei Web-Vergehen mitunter drakonische Geldstrafen oder sogar Haftstrafen und auch in der EU soll die Cyberkriminalität in Zukunft deutlich stärker geahndet werden.

Schon jetzt müssen Datendiebe, Raubkopierer und andere, die sich etwas in der virtuellen Welt zu Schulden kommen lassen, aber unter Umständen mit drastischen Strafen rechnen.

Einige Beispiele für schwer bestrafte Web-Vergehen listet die
folgende Übersicht auf, angeordnet nach der Höhe des Strafmaßes:
 
 

Albert Gonzalez

Die bisher höchste Strafe in der Geschichte der Cyberkriminalität in den USA wurde gegenüber Albert Gonzalez ausgesprochen. Er hatte Sicherheitslücken in Webservern von Unternehmen genutzt, um sich Zugriff auf Datenbanken und interne Firmennetzwerke zu verschaffen und in diesem Zuge über 170 Millionen Nummern von Kredit- und Debitkarten gestohlen. 2010 wurde er dafür zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 US-Dollar sowie eine Forderung in Millionenhöhe für die Wiederherstellungskosten.   

Jeanson James Ancheta

Der damals 21 Jahre alte US-Amerikaner war Betreiber eines Botnetzes, das aus 500.000 Computern bestand. Unter dem Vorwand, Sammler von ausrangierten Computerbauteilen zu sein, hatten ihn Mitarbeiter des FBI in sein Büro gelockt.

2006 war er schließlich der erste Betreiber eines Botnetzes, der dafür bestraft wurde. Er wurde zu einer fast fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Außerdem leistete Ancheta Entschädigungszahlungen in Höhe von 15.000 US-Dollar und verlor neben seinem BMW rund 58.000 US-Dollar an Einnahmen. 

Der Chefprogrammierer von Kino.to

Im Zusammenhang mit dem Filmportal Kino.to wurde der Chefprogrammierer am härtesten bestraft. Der 29 Jahre alte Programmierer aus Hamburg hatte vor Gericht eingeräumt, dass er für die Entwicklung des technischen Grundgerüstes der Filmstreamingseite verantwortlich war.

Dafür verurteilten ihn die Richter zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Im Fall eines seiner Komplizen, einem 24 Jahre alten Mann aus Hilden, zeigten sich die Richter gnädiger. Er wurde für rund 53.000 Uploads von Filmen zu einer 21-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt.   

Liu Ying-hui

Die Taiwanesin hatte in einem Blog geäußert, dass das Essen in einem Nudelrestaurant schlecht und versalzen sei und das Restaurant schmutzig und voller Kakerlaken wäre. Zudem hatte sie den Betreiber des Restaurants als Tyrann bezeichnet.

Die negative Kritik der Bloggerin wurde in dieser Form nicht nur als unangemessen bewertet, sondern die Richter kamen zu dem Ergebnis, dass Liu Ying-hui in erster Linie beabsichtigt hatte, den Ruf des Restaurants zu schädigen und dem Geschäft zu schaden. In der Folge wurde sie zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von rund 4.800 Euro verurteilt.   

Google

Google wurde für unerlaubte Medikamentenwerbung zu einer der höchsten Geldstrafen in der US-amerikanischen Geschichte verurteilt. Hintergrund hierfür war, dass kanadische Online-Apotheken mithilfe des Self-Service-Werbetools Werbeanzeigen für Medikamente in den Ergebnislisten der Suchmaschine einblenden ließen.

Da die Arzneimittel allerdings keine Zulassung in den USA haben, aber trotzdem auch US-amerikanischen Nutzern angezeigt wurden, wären diese damit zum Import von nicht zugelassenen Medikamenten angestiftet worden. Google hatte zwar zugesichert, dass entsprechende Werbung bei Bekanntwerden offline genommen wird, das US-Justizministerium war aber der Auffassung, dass Google die Werbemaßnahmen der Online-Apotheken über Jahre hinweg toleriert habe. Also wurde Google zu einer Geldstrafe in Höhe von einer halben Milliarde US-Dollar verurteilt.    

Joel Tenenbaum

Die Strafe, die der 29 Jahre alte US-Amerikaner als Schadensersatz für die Verbreitung von 30 Songs bezahlen musste, wurde erst nach mehreren Instanzen endgültig festgelegt. Ein erster Vorschlag sah einen Schadensersatz von 10.500 US-Dollar vor. Nachdem Joel Tenenbaum diesen Vorschlag aber abgelehnt hatte, setzte eine Richterin die Höhe des Schadensersatz mit 675.000 US-Dollar an.

In der dritten Instanz reduzierte sich die Höhe auf 67.500 US-Dollar, in der letzten Instanz wurde der US-Amerikaner dann aber schließlich zu 675.000 US-Dollar Schadensersatz verurteilt. Diese Höhe bedeutet, dass für jeden Song 22.500 US-Dollar fällig werden.

Im Vergleich dazu wurde ein 16-jähriger von einem deutschen Gericht 2006 zu einer Geldstrafe von gerade einmal 30 Euro für zwei Lieder verurteilt. Zur Begründung führten die Richter übrigens an, dass es sich bei den Songs um schon ältere Lieder gehandelt habe, die deshalb auch kaum heruntergeladen worden wären.  

Ein 16-jähriger als erster bestrafter Jugendlicher wegen eines Onlinespiels

2010 war das Augsburger Amtsgericht das erste Gericht in Deutschland, das eine Strafe in Zusammenhang mit einem Onlinespiel gegenüber einem Jugendlichen verhängte.

Ein 16 Jahre alter Augsburger hatte in der virtuellen Welt des Rollenspiels Metin 2 den Avataren von zwei Bekannten Kleidung und Ausrüstung gestohlen, mit der Absicht, diese anschließend auf eBay zu verkaufen. Wegen dieser unbefugten Veränderung von Daten verurteilte der Richter den Jugendlichen zu 80 Stunden Sozialarbeit.   

Weitere Strafen für Web-Verbrechen, außerhalb der Gerichte

Es sind gar nicht immer nur Gerichte, die Vergehen im Internet bestrafen. Ein Beispiel hierfür liefert ein Schwindler, ein sogenannter Cheater. Nachdem er mehrere Male illegale Hilfsmittel eingesetzt hatte, wurde er bestraft, indem sein Zugang zu den Servern des Ego-Shooters Call of Duty: Modern Warface 3 für 5.000 Tage und damit für knapp 14 Jahre gesperrt wurde.

Recht ungewöhnlich fiel auch die Strafe aus, die sich Tommy Jordan aus North Carolina für seine 15 Jahre alte Tochter ausdachte. Nachdem sie ihre Zeit lieber im Internet und hier besonders in sozialen Netzwerken statt mit Hausaufgaben verbrachte und sich zudem auf ihrer Seite über ihre mitunter lästigen Pflichten beklagt hatte, griff Tommy Jordan zu seiner Pistole.

Das Video, das zeigt, wie er den Laptop seiner Tochter mit insgesamt neun Schüssen erschießt, stellte er anschließend auf YouTube. Die Reaktionen auf seine Strafe fielen unterschiedlich aus. Einige Eltern waren besorgt und alarmierten die Polizei, die das strenge Vorgehen jedoch begrüßte. Andere Eltern sprachen ihren Dank aus und berichteten, ihren Kindern das Video wohl als eine Art Druckmittel zeigen zu wollen.

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