Fakten und Informationen zum Chaos Computer Club

Fakten und Informationen zum Chaos Computer Club 

Der Chaos Computer Club, kurz CCC, ist 30 Jahre alt geworden.

Grund genug, sich einmal näher mit der heute größten Hackervereinigung in Europa zu beschäftigen und einen Blick auf die bewegte und mitunter erstaunliche Geschichte zu werfen.

Hier nun die Fakten und Informationen zum Chaos Computer Club in der Übersicht:

Die Gründung des CCC

Am 12. September 1981 wurde der CCC gegründet. Seinerzeit nahmen 25 Personen aus ganz Deutschland an dem Gründungtreffen teil, das im Hautgebäude der TAZ in der Wattstraße in Berlin stattfand. Den Mitgliedern, die sich selbst als Komputerfrieks bezeichneten, war klar, welches Potenzial Datennetze boten.

Also gründeten sie den CCC als Interessengruppe und kamen fortan regelmäßig zusammen, um ihr Wissen auszutauschen. Bis heute sieht es der CCC als seine Aufgabe und Pflicht, die Öffentlichkeit und auch die Regierung an seinem Wissen teilhaben zu lassen.

So erinnert der CCC durch aufsehenerregende Hacks immer wieder an die IT-Sicherheit und unterstützt auch das Bundesverfassungsgericht bei seiner Arbeit. Ein Beispiel hierfür ist der zweifache Hack des Wahlcomputers Nedap, dessen Verwendung bei Wahlen in Deutschland mittlerweile für verfassungswidrig erklärt wurde.    

Der Hack des BTX-Systems

In einer Nacht im Jahre 1984 erzielte der CCC 135.000 Mark. In den Nachrichten wurde damals berichtet, der CCC hätte eine Sicherheitslücke im BTX-System aufgespürt und sich so den Zugang zu einem Account der Hamburger Sparkasse verschafft.

Später räumte Wau Holland, einer der Mitbegründer des CCC, ein, das Passwort für den Account sei dem CCC von einem Dritten zugespielt worden. Unabhängig davon ist jedoch unbestritten, dass das Bildschirmtext-System gravierende Sicherheitslücken aufwies, die die Deutsche Bundespost als Betreiber schlichtweg ignorierte.

In jener Nacht verwendete der CCC den Account der Hamburger Sparkasse für den Aufruf des eigenen, kostenpflichtigen BTX-Angebots. Dieses beinhaltete einen Trickfilm und ein Aufruf kostete knapp 10 Mark. Durch die unzähligen Aufrufe kam so die stolze Summe von 135.000 Mark zusammen. Dieses Geld behielt der CCC aber nicht, sondern erstattete es der Sparkasse zurück und sicherte sich damit hohes Ansehen in der Gesellschaft.  

Die Gründung der Haecksen

1988 gründeten Rena Tangens und Barbara Thoens die Haecksen als eine Untergruppe des CCC von Frauen für Frauen.

Die Absicht bestand darin, auch Frauen die Möglichkeit zum Wissensaustausch zu geben. Heute hat die Vereinigung 100 weibliche Mitglieder aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern. Dabei sind Männer bei dieser Vereinigung nicht zwangsläufig ausgeschlossen, aber vom Grundgedanken her soll es doch eine Frauen-Vereinigung bleiben.  

Wau Holland

Der ehemalige Kolumnist der TAZ Wau Holland, mit bürgerlichem Namen Herwart Holland-Moritz, war nicht nur Mitbegründer des CCC, sondern trägt auch einen wesentlichen Anteil daran, dass der CCC bekannt wurde und hohes Ansehen genießt.

Sein Markenzeichen war seine raue, sehr direkte Art, mit der er sich in erster Linie gegen Zensur in jeglicher Form und gegen den Kopierschutz einsetzte. 1984 war er an der Begründung der Datenschleuder als Zeitschrift des CCC beteiligt. In der Zeitschrift veröffentlichte der CCC unter anderem eine Anleitung für den kostengünstigen Bau eines Modems für das BTX-System, das bis dahin für viel Geld nur bei der Deutschen Bundespost gekauft werden konnte.

Später widmete sich Wau Holland der Bildung im Bereich Computer an deutschen Schulen. Er setzte sich dafür ein, dass Informatik als Schulfach etabliert wird und Schüler lernen, das schulinterne Netzwerk zu warten und weiterzuentwickeln. Am 29. Juli 2001 verstarb Wau Holland in Bielefeld im Alter von nur 49 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.   

Der Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble

2008 veröffentlichte der CCC in seiner Clubzeitschrift 4000 Kopien von Wolfgang Schäubles Fingerabdruck als Protestaktion gegen die Pläne der Bundesregierung, biometrische Daten, zu denen auch der Fingerabdruck gehört, in Reisepässen und sicherheitsrelevanten Systemen zu verwenden. Schon ein Jahr vorher hatte der CCC eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welche Risiken das Einkaufen und Bezahlen mittels Fingerabdruck aufweist.

In Zusammenarbeit mit Reportern der ARD hatte der CCC den Fingerabdruck eines Kollegen von einem Glas abgenommen und eine Kopie erstellt. Diese Kopie konnte auf den Finger jeder beliebigen Person aufgesetzt und zum Bezahlen benutzt werden, denn die Scanner im Supermarkt hatten die Fälschung nicht erkannt.

Als ein Jahr später die Regierungspläne konkreter wurden, E-Pässe mit Fingerabdruck einzuführen, sah sich der CCC veranlasst, das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Um die Risiken aufzuzeigen, nahmen Mitglieder des CCC den Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble von einem Wasserglas ab, aus dem er am Rednerpult getrunken hatte, und erstellten besagte Kopien.   

Das Sicherheitssystem Legic Prime

2010 nutzten die Flughäfen Dresden, Hamburg, Hannover und Stuttgart das Sicherheitssystem Legic Prime. Der CCC baute sein eigenes Lesegerät, durch das er die Ausweise der Mitarbeiter über Funk auslesen und sich so Zugang zu den Sicherheitsbereichen verschaffen konnte, die eigentlich durch Legic Prime geschützt sein sollten.

Hintergrund hierzu ist, dass an deutschen Flughäfen jede Sicherheitstür mit einem Lesegerät ausgestattet ist, das die Ausweise des Personals ausliest. Das Lesegerät vergleicht dazu die Funksignale der Ausweise mit der Datenbank und öffnet bei Übereinstimmung die Tür. Erstaunlich ist, wie einfach es für den CCC war, ein eigenes, funktionierendes Lesegerät anzufertigen.

Mit diesem Lesegerät konnte der CCC die Ausweisdaten eines Mitarbeiters, der sich in der Nähe befand, auslesen und speichern. Die gespeicherten Daten konnten dann wiederum verwendet werden, um die Sicherheitstüren wie mit einem echten Ausweis zu öffnen. Nun verwendet ein Flughafen nicht nur ein einziges Sicherheitssystem, sondern arbeitet mit unterschiedlichen Kontroll- und Überwachungsmechanismen, die ineinander greifen und so einen möglichst hohen Sicherheitsstandard gewährleisten.

Trotzdem sollte es ausgeschlossen sein, ein Sicherheitssystem so schnell und einfach aushebeln zu können.

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